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Die Anfänge

Die Idee entstand im Jahre 2011. Es war bekannt, dass die Öfen neben den vielen Vorteilen für Unfallverhütung und Gesundheitsvorsorge einen erheblichen Teil des benötigten Brennholzes gegenüber den offenen traditionellen Feuerstellen einsparen. Doch ist Brennholz als nachwachsender Rohstoff nicht eine erneuerbare Energiequelle und daher CO2-neutral? Dort, wo wesentlich mehr Holz aus den Wäldern entnommen und verbrannt wird als nachwächst, stimmt diese Gleichung nicht. Und das ist in den meisten Entwicklungsländern, wie auch in Nepal der Fall. In Nepal gelten 86% des Brennholzes daher als nicht erneuerbar.

Das Mitglied Dr. Reinhard Hallermayer stellte die ersten Vorüberlegungen zu einem möglichen Projekt zusammen. Sie sahen vielversprechend aus. Die Chance überwogen die Risiken. Daher entschied der Vorstand im Mai 2011, ein Klimaschutzprojekt in Nepal zu konzipieren. Die Leitung übernahm Dr. Hallermayer, der, wie wir sehen werden, im weiteren Verlauf das Projekt zum Erfolg führte.

In Nepal war wenige Monate vorher die NGO Swastha Chulo, was übersetzt „Gesunder Ofen“ bedeutet, gegründet worden. Die ersten Voraussetzungen waren somit erfüllt.

Erste konkrete Schritte

Der Projektvorschlag bei der Gold Standard Foundation wurde im März 2012 unter dem Titel „Rauchfreie Küchenöfen für ländliche Gebiete in Nepal“ (Smokeless Cookstoves in Rural Districts of Nepal“) eingereicht. Das war vorerst nur eine äußerst dürre Beschreibung, mehr nicht. Immerhin wurde das Projekt ab diesem Zeitpunkt als GS1191 in der Gold Standard Registry aufgeführt. Die Ofenmacher haben sich für ein Microscale Projekt entschieden, das auf maximal 10.000 Tonnen jährliche CO2-Einsparung begrenzt ist, um die Gold Standard Gebühren und damit die finanziellen Risiken so gering wie möglich zu halten.

In einer Vereinbarung mit dem AEPC (Alternative Energy Promotion Center) in Kathmandu im Mai 2012 wurde das Projektgebiet für den Ofenbau abgesteckt. Swastha Chulo Nepal war nun exklusiver Partner für den Bau von rauchfreien Küchenöfen in 28 Dorfgemeinschaften in den Distrikten Dolakha, Kavre-Palanchok und Ramechhap.

Im Local Stakeholder Meeting in Kathmandu, ebenfalls im Mai, wurden Vertreter aller Beteiligten über das Vorhaben in Nepal informiert, und es wurde ausführlich über die Auswirkungen, über Vorteile und mögliche Nachteile diskutiert. Wie vom Gold Standard gefordert, war ein Schwerpunkt des Treffens eine Bewertung der Nachhaltigkeit des Projekts. Alle Teilnehmer waren sich darin einig, dass der Ofenbau in Nepal ausschließlich positive Effekte für die Bewohner und deren Umwelt haben würde.

Der Verlauf und die Ergebnisse des Treffens mussten gemäß Gold Standard dokumentiert und dort eingereicht werden. Nach der Begutachtung und einigen Rückfragen wurde der Bericht im Oktober 2012 akzeptiert.

Das Projekt hatte zwei weitere Hürden übersprungen.

Im Juli 2012 wurde am Department of Mechanical Engineering der Kathmandu University eine Messung der Lehmöfen vorgenommen, die eine thermische Effizienz von über 20% ergab. Als Verfahren wurde der sogenannte Water Boiling Test angewendet. Dies bestätigt die anfängliche Erwartung, dass wir mit einem Lehmofen wenigstens 50% Holz im Vergleich zu offenem Feuer sparen.

Projektbeschreibung

In der Zwischenzeit wurde die Projektbeschreibung ausformuliert. Die Herausforderung war dabei, dass die Angaben so konkret wie möglich sein mussten:
Wie viele Öfen werden wo in welchem Zeitraum von wem gebaut? Wie geht das vor sich? Wie kann man die eingesparte Menge an CO2 berechnen? Welche eingesparten Mengen resultieren daraus? Wie wird das Projekt den Nachweis darüber führen? Wie werden die anfallenden Daten dokumentiert?

Gold Standard fordert außerdem von jedem Projekt einen Nachhaltigkeitsbericht, in dem negative Auswirkungen glaubwürdig ausgeschlossen werden müssen.

Die Projektbeschreibung wurde Anfang 2013 beim Gold Standard eingereicht. Nach 3 Bewertungsrunden und zahlreichen Rückfragen während der Validierungsphase wurde das Projekt am 01. Januar 2014 offiziell anerkannt und von da an im Status „registered“ geführt. Dieses positive Ergebnis bedeutet: Wenn das Projekt gemäß seiner vorgelegten Beschreibung arbeitet und die CO2-Einsparungsprognosen in der Anrechnungsphase zweifelsfrei belegen und nachweisen kann, dann (und nur dann) werden die eingesparten Tonnen CO2 vom Gold Standard anerkannt.

Monitoring

Einmal jährlich ist das Projekt verpflichtet, einen Bericht über die Kontrolle der gebauten Öfen abzugeben. Dies nennt man Monitoring. In der Projektbeschreibung muss genau stehen, was gemacht wird und wie das zu geschehen hat. Von der Organisation, der Auswahl der zu kontrollierenden Öfen bis zur statistischen Ergebnisse ist der gesamte Ablauf zu beschreiben. Im Klimaschutzprojekt wird das genau so gemacht wie bei allen anderen Projekten der Ofenmacher.

Die begutachteten Öfen werden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Bei den Besuchen vor Ort wird ein standardisierter Fragebogen ausgefüllt. Zunächst werden die bauliche Qualität und der aktuelle Zustand des Ofens bewertet. Danach folgen Fragen, wie die Nutzer damit zufrieden sind und welche Erleichterungen ihr Ofen für sie bedeutet. Wenn über Probleme geklagt wird, werden diese erfasst und später möglichst behoben.

Pflicht ist auch die Messung des Wirkungsgrad an einigen Öfen im Feld. Hier muss nachgewiesen werden, dass der in der Projektbeschreibung angesetzte Wirkungsgrad des Ofens auch tatsächlich vor Ort erreicht wird. Alle gewonnenen Daten werden dokumentiert und statistisch ausgewertet. Als Ergebnis steht im Monitoring-Bericht die nachgewiesene eingesparte CO2-Menge.

Jetzt werden Öfen gebaut

Ende 2012 wurde das erste Trainingscamp für die Ofenbauer im Projektgebiet von Swastha Chulo abgehalten, um die Protagonisten vor Ort auszubilden und auf eine qualitativ hochwertige Arbeit einzustimmen. Die ersten Ofenbauaktivitäten begannen Mitte September 2012. Sie sollen laut Planung bis Ende 2015 andauern und eine installierte Zahl von ca. 12.000 Öfen erreichen.

Jeder gebaute und abgerechnete Ofen wird in der Swastha Chulo Datenbank dokumentiert. Neben der Ofen-Identifikation und Angaben über den Standort werden jeweils ein Bild des Ofens und ein Scan des Nutzervertrags abgelegt. Jeder Empfänger tritt vertraglich seine eingesparten CO2-Emissionen an die Ofenmacher ab. Die eingesparten CO2-Mengen können ab 2013, insgesamt 10 Jahre lang, geltend gemacht werden.

Stand des Projekts

Ofenbau:

Bis Ende Mai 2017 wurden 10.299 Öfen in den 3 Distrikten des Projektgebiets gebaut.

Die Erdbeben im April und Mai 2015 haben im Projektgebiet ca. 70% der Häuser zerstört oder unbewohnbar gemacht. Dadurch wurden natürlich auch die Öfen in den Häusern zerstört. Von Mai 2015 bis Juni 2016 stellten wir für die in Behelfsunterkünften lebenden Menschen Rocket Stoves aus Lehm bereit. Sie helfen zwar, Holz zu sparen, das Kochen sicherer zu machen und die Rauchentwicklung zu reduzieren, können aber nicht auf das zertifizierte Projekt angerechnet werden. Daher stagniert seit Mai 2015 die Zahl der für das Projekt gebauten Öfen.

Mit dem Wiederaufbau, der leider zur Zeit nur zögernd anläuft, werden wir dafür sorgen, dass die neu gebauten Häuser von Beginn an einen Ofen erhalten.

Emissionszertifikate:

Im Juli 2014 wurde der erste Monitoring Report abgegeben. 1028 Öfen (ca. 12%) wurden vor Ort kontrolliert. Nur 4% der Öfen waren Ausfälle, der Nutzungsgrad lag bei etwa 80%.

Anfang Januar 2015 hat Gold Standard die Prüfung des Monitoring Report positiv abgeschlossen. Damit wurden die ersten 1967 VER-Zertifikate den Ofenmachern in der Datenbank gutgeschrieben.

Im Januar 2016 wurden uns mit dem zweiten Monitoring Report für den Zeitraum von Mai 2014 bis April 2015 weitere 6860 VER-Zertifikate gutgeschrieben.